Würdige
Feier zum 10jährigen Bestehen
Hospizgruppe
Ingelheim feierte Geburtstag
21. März 2010
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| Auf
dem Festakt zum 10jährigne Bestehen der Hospizgruppe Ingelheim:
Vorsitzender Prof. Dr. Hardt (2.v.l.) begrüsst prominente
Gäste. -
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(MB)
Im würdigen Rahmen des schönen Rathaussaales blickte
die Hospizgruppe auf eine nun zehnjährige gute Entwicklung
zurück. Unter den zahlreichen Gästen erkannte man viele
Vertreter der gesellschaftlichen Gruppen und Vereine der Stadt
und natürlich Prominenz. Vorsitzender Prof. Dr. med. Jürgen
Hardt begrüßte herzlich Oberbürgermeister Dr. Joachim
Gerhard und Bürgermeister Claus von der Stadtverwaltung wie
Landrat Claus Schick. Von den Kirchengemeinden waren die Pfarrer
Fleckenstein, Schäfer und Sohns gekommen, um ihre Solidarität
zu bezeugen.
Es wäre müßig, die Schar der Freunde und Förderer
der Hospizgruppe aufzuzählen, die ihr bei diesem Festakt die
Ehre erwiesen. In den nachfolgenden Redebeiträgen wurde dies
als Zeichen der Verbundenheit gedeutet: Die stetig gewachsene besondere
soziale Arbeit der Gruppe für Ingelheim und Umgebung, die
Begleitung von Schwerstkranken, Sterbenden und Trauernden, wird
offensichtlich nicht nur von jenen geschätzt, die sie dankbar
erfahren haben - und ihren Familien - , sondern auch
von den politisch Verantwortlichen.
Die Hospizgruppe wäre
auch nicht mehr wegzudenken, wie OB Dr. Gerhard in seinem Grußwort
betonte. Sie trage dazu bei, das Leben bis zuletzt wie das Sterben
in Würde zu ermöglichen.
Sie wende sich gegen die weit verbreitete Scheu vor dem Sterben,
das eben keine Krankheit sei, sondern der letzte Teil des Lebens.
Lange Zeit habe man das verdrängt. Dr. Gerhard zitierte Cecely
Saunders, die 1967 in London das erste neuzeitlich Hospiz in Europa
gründete: „Die Sterbenden sind bis zum letzten Augeblick
ihres Lebens wichtig, und wir werden alles tun, damit sie nicht
nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt leben können.“ Deshalb
habe die Stadt der Hospizgruppe gerne die notwendigen Räume
im alten Gymnasium zur Verfügung gestellt und werde das nach
dem jetzt beginnenden Umbau weiter tun.
Auch Landrat Schick
zeigte sich beeindruckt von dem, was die Hospizgruppe für Ingelheim und seine benachbarten Gemeinden des Landkreises
leiste: den letzten Weg erleichtern, den Angehörigen Hilfestellung
geben und die Trauernden begleiten. Denn man brauche einander.
In diesem Zusammenhang äußerte sich Schick sehr zufrieden
darüber, dass es im Kreis Mainz-Bingen eine überdurchschnittlich
hohe Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement gibt. Die
gelte es zum Wohle der Bürgergemeinschaft zu fördern.
Der Gründungsvorsitzende
der Hospizgruppe, Dr. Klaus Würkert, blickte zurück auf die Stunde Null. Etwa zwei
bis drei Dutzend Persönlichkeiten habe die Initiatorin (Frau
Rocho) damals angeschrieben zu einer Beratung über die diesbezügliche
Lage in Ingelheim und wie sie verbessert werden könne. Dreizehn
davon entschlossen sich zum Handeln. Sie gründeten die Regionalgruppe
Ingelheim unter dem Dachverband der IGSL (Internationale Gesellschaft
für Sterbebegleitung und Lebensbeistand). Bald nach der Gründung
hat es den ersten öffentlichen Vortrag mit Dr. Paul Becker
aus Bingen gegeben, dem Gründer dieses ersten Hospizvereins
in Deutschland. Bereits im September fand die erste Schulung von
elf ehrenamtlichen Helfern statt, von denen einige noch heute aktiv
sind. Nach dieser Gründungsphase, in der tragfähige Strukturen
geschaffen wurden, habe er dann den Vorsitz an Prof. Dr. Hardt
weitergegeben, unter dessen Führung die Gruppe eine kontinuierliche
Entwicklung genommen habe auf inzwischen beinahe 200 Mitglieder
und mehr als 30 ehrenamtliche Helfer. Sie habe sich in der Ingelheimer
Gesellschaft einen festen Platz erarbeitet und sei zu weiteren
Aufgaben fähig. Das sei auch notwendig.
Dann nahm Gottfried
Rudolph das Wort, der zweite Vorsitzende der IGSL. Er war wenige
Stunden vorher „eingesprungen“,
nachdem der bereits erwähnte Dr. Paul Becker aus zwingenden
familiären Gründen die Festrede absagen musste. Unter
diesen ungünstigen Voraussetzungen hielt er einen fulminanten
Vortrag über die Geschichte der Hospizbewegung und das ehrenamtliche
Engagement in der Hospizarbeit. „Nichts ist so stark
wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, zitierte er
Viktor Hugo zu der Gründung der Hospizgruppe Ingelheim. Immer
mehr Menschen hätten die Notwendigkeit (im Wortsinn) erkannt:
Sterbende und Trauernde in den schweren Sunden nicht allein zu
lassen. Als
biblisches Beispiel zitierte er das Lukasevangelium: Ein Mann fiel
unter die Räuber. Weder der vorbeikommende Priester, noch
der Levit habe ihm geholfen, sonder ein (von den Juden verachteter)
Samariter. Dieser habe den Geschundenen versorgt und in Obhut gegeben.
Er war ihm der Nächste. Jesus folgerte: Geh hin und tue desgleichen.
Nach diesem Beispiel seien schon im vierten Jahrhundert n.Chr.
Herbergen für Pilger errichtet worden. Das war die Zeit der „Mönchsmedizin“.
Daraus wurden im Laufe der Zeit „Heiliggeisthospitäler“ und
ab dem 13. Jahrhundert „Bürgerhospitäler“,
die in kommunale Verwaltung übergingen. Aus diesen rein pflegerischen
Einrichtungen seien im 18. Jahrhundert, mit dem Beginn der modernen
Medizin, unsere „Spitäler“ und Krankenhäuser
entstanden. In ihnen habe schon bald die Ausgrenzung der Unheilbaren,
Siechen und Sterbenden begonnen.
So habe sich der Begriff „Hospiz“ oder auch „Calvaire“ im
19. Jahrhundert für „Sterbehäuser“ herausgebildet.
1857 sei der Begriff „Palliative Care“ aufgetaucht
und habe Florence Nightingale gewettert: „Es ist unverantwortlich,
die Schwerstkranken und Sterbenden in ihrem panischen Schmerz wie
brüllendes Vieh wegzutreiben.“ Doch bis zur Gründung
der modernen Hospizbewegung sollte es noch mehr als 100 Jahre dauern.
Erste Gründungen in Deutschland gab es da und dort in den
1980er Jahren, nachdem noch 1978 alle dafür relevanten Institutionen
einschließlich der beiden Kirchen Sterbekliniken nach englischem
Muster zurückgewiesen hatten. Dr. Paul Becker gründete
indessen 1986 in Limburg die IGSL-Hospiz, die inzwischen über
2500 Mitglieder zählt in mehr als 30. Regionalgruppen.
Das Wesentliche dieser
Gruppen sei die geschenkte Zeit, welche die ehrenamtlichen Helfer
den Kranken widmeten, da die professionellen
Pfleger dazu überfordert seien. Das Ehrenamt verleihe dem
Bürger Würde und Status. Das habe schon im alten Griechenland
gegolten. Das Ehrenamt sei damals wichtiger als Reichtum gewesen.
Solcher habe nur denen zu Ansehen verholfen, die ihn für die
Allgemeinheit verwendeten. In diesem Sinne dankte der Festredner
allen in der Sterbe- und Lebensbegleitung Engagierten für
ihre Arbeit. Besonders die ehrenamtliche Arbeit sei wertvoll und
unentbehrlich
Die musikalisch Begleitung
dieser würdigen Feierstunde gestaltete
das „Violintrio der Musikschule im WBZ Ingelheim“ unter
der Leitung von Anna Boßdorf. Es spielte sich in die Herzen
des Auditoriums. |