Großes Volksfest zum Jubiläum

Hospizgruppe Ingelheim feierte 10jähriges Bestehen

von Markus Berger

Juli 2010

 

Die Bigband "Groove Connection" begeisterte mit einem abwechslungsreichen Programm. - Maus über Bild öffnet größere Ansicht.

Die Hospizgruppe Ingelheim feierte ihr Zehnjähriges als sommerliches Volksfest im Freien unter dem Motto „Mitten im Leben“ unter breiter Beteiligung der Bürgerschaft. Das sollte in Partnerschaft mit dem „Fest in West“ des Mehrgenerationenhauses (MGH) der Stadt gestaltet werden, an dem von einer Kinderkrippe bis zur Seniorenbetreuung alle darin engagierten Verbände beteiligt sind. Dafür günstig war, dass die Stadtverwaltung dieses Fest zur bedeutendsten Veranstaltung ihrer jährlich organisierten „Seniorentage“ erkoren hat und einen Zubringerbus aus den Stadtgebieten wie den bestehenden Alteneinrichtungen organisierte – ein gutes Beispiel für die Kooperation von privaten und öffentlichen Einrichtungen zum Wohle des Ganzen.

Das Fest begann mit einem ökumenischen Dankgottesdienst, an dem sich die evangelische Gemeinde der Versöhnungskirche mit Pfarrer Peter Fleckenstein und die katholische Gemeinde St. Paul mit Pfarrer Helmut Sohns beteiligten, dazu die Ingelheimer Kantorei und der Posaunenchor, der die Gesänge der Gemeinde begleitete. Im Schatten von Bäumen feierte eine große Schar an einem herrlichen Sommermorgen das festliche Ereignis. Pfarrer Fleckensteins Predigt würdige Anliegen und Verdienste der Hospizgruppe:

„Seit zehn Jahren engagieren sich Frauen und Männer für Kranke und Sterbende, wollen sie auf dem letzten Weg nicht allein lassen, wollen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Sie opfern dafür ihre Zeit, lassen sich auf bedrückende Lebensverhältnisse ihrer Mitmenschen ein, möchten, dass Sterbenskranke in Würde Abschied nehmen dürfen. Heute wollen wir dieses Engagement und dieses Programm feiern. Zehn Jahre Ingelheimer Hospizgruppe, 'mitten im Leben’. Da passiert es, dass unverhofft und unerwartet Krankheit und Tod einbrechen.“

Zum biblischen Beispiel erinnerte er an die Begegnung des Herrn mit der Sünderin im Haus des Simon, die ihn gewaschen und gesalbt hat. Das verwunderte alle. Jesus aber sagte:
„ Sie hat meinen Leib im Hinblick auf mein Begräbnis gesalbt. Sie hat weiter gesehen als alle anderen hier. Sie hat mir einen letzten Liebesdienst erwiesen“.

Nach dem Gottesdienst begrüßte die Leiterin des MGH, Frau Birgit Kleine-Weitzel, die Gäste und zahlreichen Kooperationspartner ihres Hauses, die sich sowohl im Rahmen des Festes präsentierten als es auch in vielfältiger Weise mitgestalteten. Der Vorsitzende der Hospizgruppe, Prof. Dr. med. Jürgen Hardt, begrüßte die Ehrengäste, darunter den Bundestagsabgeordneten Michael Hartmann (SPD) und die Landtagsabgeordnete Dorothea Schäfer (CDU), Oberbürgermeister Dr. Joachim Gerhard und Bürgermeister Ralf Clauß von Ingelheim und in besonderer Dankbarkeit Dr. med. Paul Becker, Bingen, den Gründer der Internationalen Gesellschaft für Sterbebegleitung und Lebensbeistand (IGSL) des ältesten deutschen Hospizvereins, der die Ingelheimer Gruppe als Regionalgruppe dieses Vereins aus der Taufe gehoben hat. Er dankte der Abgeordneten Ute Granold (CDU) für die Übernahme der Schirmherrschaft und übergab ihr das Wort.

Frau Granold MdB zeigte sich erfreut über die rege Anteilnahme der Bürger an diesem Fest. Die Ingelheimer Hospizgruppe sei gut aufgestellt, wie sie bei ihren Besuchen festgestellt habe. Sie betonte die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements und die Notwendigkeit der Hospizarbeit in einer immer älter werdenden Gesellschaft mit zunehmender Vereinzelung. Sie unterstrich den Sinn der persönlichen Vorsorge mit einer Patientenverfügung, wie es der BGH in einer Urteilsbegrünung erneut deutlich gemacht habe.

Hernach begann das eigentliche Volksfest. Der Posaunenchor spielte zum Mittagsmahl mit volkstümlichen Weisen auf. Danach gab es einen "Markt der Möglichkeiten" im und um das MGH. Unter anderem das Theaterstück "Oskar und die Dame in Rosa". Es handelt von einem zehnjährigen Jungen, der schwer an Leukämie leidet und nur noch wenige Tage zu leben hat. Sowohl die Ärzte wie die Eltern trauen sich nicht, ihm das zu sagen. Nur mit einer der „Damen in Rosa“, die sich im rosa Kittel ehrenamtlich um die kranken Kinder kümmern, kann er über alles sprechen.

Für Kinder und andere jung Gebliebene führte das Puppentheater TOPS zum Nachtisch ein Märchen auf. Die Kinder halfen dem Hund Zottel bei seiner Suche nach Lisas Zauberkrone, ohne die sie nicht mehr Prinzessin bleiben konnte; natürlich mit Erfolg.

Artistisches Können zeigten die Mountainbiker vom Club "Beinhart". - Maus über Bild öffnet größere Ansicht.

Anschließend zeigte der Mountainbikeclub "Beinhart" sein artistisches Können auf dem Trainingsgelände in der Nachbarschaft. Im Haus gab es Informationen über die Hospizgruppe und ihre Arbeit. Ingelheimer Künstler stellten ausgewählte Bilder aus. Außerdem gab es die Ausstellung der Bilder, mit denen Schüler der vierten Klasse der Martinusschule in Mainz-Gonsenheim sich mit den Themen Tod und Sterben auseinander setzten.

Parallel dazu stellten die Kooperationspartner des MGH und dessen Gliederungen ihr Angebot dar und veranstalteten ihnen gemäße Kurzweil. Viel Applaus erhielt die Kindertanzgruppe „Die Wilden Zebras“ für ihre schwungvolle Darbietung, ebenso die Aufführung der Erzieherinnen des Hauses wie die der Theatergruppe „Lampenfieber“ der Theodor-Heuss-Schule. Interesse weckten auch die Vorführungen der Hundestaffel des DRK. Die TG Nieder-Ingelheim lud zu Folkloretänzen ein – unmöglich, alles zu schildern.

Um 16:00 Uhr regierte König Fußball. Im Haus wurde der WM-Klassiker Deutschland: England gezeigt. Ergebnis 4:1. Das trug wesentlich zur Stimmung bei.

Einen musikalischen Leckerbissen bot zum Abschluss des Festes die Bigband „Groove Connection“ vom Symphonischen Blasorchester Bingen-Dromersheim, die mit Jazz, Blues, lateinischen und klassischen Kompositionen begeisterte.

1200 Besucher sollen dieses Fest genossen haben, heißt es. Für die Hospizgruppe Ingelheim bedeutet dies: Sie ist nun mit ihrem Anliegen und Angebot bekannt. Man weiß die Adresse www.hospiz-inglheim.de sowie das Hospiztelefon 06132 – 434531 immer mehr zu schätzen. Ihre Hospizschwestern und ehrenamtlichen Helfer sind für ihre Mitbürger bereit.