Hospize, das
waren Gasthäuser mit christlicher Hausordnung, von Mönchen
errichtete Unterkünfte an Pilgerwegen und Einrichtungen zur
Betreuung schwerkranker bzw. sterbender Menschen und derer Angehörigen
(Duden), also Raststätten am letzten Lebensweg. Die moderne
Hospizbewegung ist entstanden als Antwort auf zwei unheimliche
Entwicklungen. Die durch Maschinen, Antibiotika, Transplantations-
und Intensivmedizin möglich gewordene Lebensverlängerung
selbst beim Ausfall lebenswichtiger Organe einerseits und andererseits
das einsame Sterben in Krankenhäusern und Heimen unter oft
unwürdigen Bedingungen.
Nicht, dass
Transplantations- und Intensivmedizin nicht Ihr Gutes hätten.
Das wohl, aber um jeden Preis und zu jeden Zweck? Auch zur Verlängerung
eines Lebens das nicht mehr sein könnte als die Verhinderung
eines würdigen Sterbens, wie es die Natur allem Leben anheim
gibt? Typisch für solche Verabsolutierung des Lebens war
die Tabuisierung des Todes. Der wurde quasi aus dem Alltag verbannt.
Dagegen sagt
die Hospizbewegung: Sterben ist ein natürlicher Vorgang,
ist Teil des Lebens wie die Geburt. Die Hospizgruppen wollen schwerstkranke
und sterbende Menschen auf ihrem Weg begleiten, ihnen Lebensqualität
ermöglichen bis zuletzt. Das ist Lebensbegleitung, auch für
die Angehörigen. Damit werden Sterben und Tod in die Gemeinschaft
der Lebenden eingebettet, wie das früher besonders in den
überschaubaren Lebensgemeinschaften der Dörfer und kleinen
Siedlungen selbstverständlich war. Da nahmen die Nachbarn
und Verwandten Abschied vom Sterbenden, und dieser gab ihnen seinen
Segen. So „segnete er das Zeitliche.“ Die Zurückgebliebenen
bewahrten ihn in ihrem Herzen, und die Trauernden wurden aufgefangen
in der Zuwendung derer, die mit ihnen zusammen weiter lebten.
Die Sterbenden
„sind wichtig, weil sie eben sie sind... bis zu ihrem letzten
Augenblick“, sagte Dr. Cicely Saunders, die 1967 das erste
dieser modernen Hospize in Europa eröffnete. „Sie sind
bis zum letzten Augeblick ihres Lebens wichtig, und wir werden
alles tun, damit sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch
bis zuletzt leben können.“ Das genau ist Ziel und Zweck
der Hospizgruppen: Den Sterbenden Geborgenheit vermitteln, an
einem Ort, wo sie in Würde, frei von Schmerzen, Fremdbestimmung
und Isolierung ihr Leben als Schwerstkranke führen können
bis zum Ende. „Im Kreise der Angehörigen und der Betreuenden
sollen sie Abschied nehmen und loslassen können, ohne zu
einem Leben vergewaltigt’ zu werden, das für sie keinen
Sinn mehr hätte und das sie aus eigener Kraft nicht mehr
leben könnten (Dr. Paul Becker, Bingen, Begründer der
modernen Hospizbewegung in Deutschland).“
Von daher
verbietet sich das, was der ehemalige Hamburger Senator Kusch
wie der Ableger des Schweizer Sterbevereins „Dignitas“
in Hannover anbieten: gewerbsmäßige aktive Sterbehilfe
als Beihilfe zur Selbsttötung. Denn beide nehmen den Menschen
nicht mehr wichtig, jedenfalls nicht als Lebenden, allenfalls
als Toten. Daran wollen sie verdienen. Kusch, der einen „Verein
für Sterbehilfe“ gründete, hat publikumswirksam
einer älteren Dame zum Tode verholfen, die nicht einmal schwer
krank war. Sie hatte nur Angst vor dem Alter, der Einsamkeit und
möglichem leidvollen Siechtum.
Dagegen bieten
Hospizgruppen ambulante Begleitung an, auch der Angehörigen,
damit niemand allein gelassen werde. Besonders geschulte ehrenamtliche
Helferinnen und Helfer stehen dafür zur Verfügung. Sie
besuchen die „Patienten“ zu Hause, im Heim oder im
Krankenhaus. Sie haben für diese die Zeit, die heutzutage
den professionellen Pflegern zu ihrem Leidwesen fehlt. Sie nehmen
den leidenden Menschen wichtig.
Dazu bieten
die Hospizgruppen qualifizierte Beratung durch Hospiz- und Palliativschwestern.
Diese können Ärzte und die Patienten beraten, damit
der Sterbeprozess nicht durch schweres Leiden und unerträgliche
Schmerzen zur Qual wird. Sie sind bereit, mit Hausärzten
zusammenzuarbeiten. Sie sind es, die bei einem Erstbesuch der
Kranken darüber nachdenken, welche der ehrenamtlichen Hospizhelferinnen
bzw. welcher -Helfer am besten für die Begleitung eines neuen
Patienten geeignet ist. Sie sind auch verantwortlich für
ein vielfältiges Angebot an Trauernde. Hier zeigt sich besonders:
Hospiz ist immer dem Leben zugewandt, ist Hoffnung.
Für 2011 hat sich die Hospizgruppe
einen weiteren großen Schritt für
die hospizliche Begleitung der Schwerstkranken und Sterbenden
in Ingelheim und
Umgebung vorgenommen: ein erstes stationäres Bett zu schaffen
für diejenigen,
bei denen die Pflege und Begleitung im eigenem vertrauten Heim,
die sich die
meisten ja erhoffen, an das Ende des Möglichen gerät.
Sie finden oft keinen
Platz im Krankenhaus, weil sie nicht an einer akuten Krankheit
leiden, und aus
anderen Gründen schwerlich einen Platz in einem Pflegeheim.
Hier will die
Hospizgruppe helfen mit einem stationären Angebot in Zusammenarbeit
mit dem
Altenheim im Sohl. Dort sollen sie eine fürsorgliche Begleitung
für ihre
letzte Lebensspanne erfahren, versorgt von kompetenten Palliativschwestern,
begleitet von ihren Anverwandten und Freunden, unterstützt
von den
ehrenamtlichen Helfern der Hospizgruppe Ingelheim. Das ist unser
Konzept.
Stadt und Landkreis haben ihre Unterstützung signalisiert.
Rückfragen an 06132 /
434531, das Telefon der Hospizgruppe Ingelheim.